Montag, 21. Oktober 2013

Rezension / Dann press doch selber, Frau Dokta! (Dr. Josephine Chaos)


„Dann press doch selber, Frau Dokta!“ von Dr. Josephine Chaos (Pseudonym) war in einem Buchpaket des Fischerverlages, das ich bei Lovelybooks gewonnen habe. Und ich muss sagen, dass ich mich sehr über diesen Schmöker gefreut habe. Frauenbücher, die auf humorvolle Art das Thema Geburten & Co. behandeln, können nämlich amüsante Lesestunden bescheren.







 Klappentext: 

»Ich schwöre: Ich bin lieb! Wirklich! Aber mit Nierenschalen zu werfen – das geht dann doch ein bisschen zu weit. Also schrei ich: ›Frau Pharma? FRAU PHARMA! Es reicht jetzt! Pressen Sie mal, statt hier so rumzufurien!‹ Frau Pharma ist das aber so was von egal!
›Ich press nich mehr, Frau Dokta! Ich will JETZT ´nen Kaiserschnitt! Abba sofoooort!‹
Dann wirft sie mir noch eine ganze Batterie von Schimpfwörtern an den Kopf, deren Bedeutung ich erst googlen muss, bevor sie – und JETZT wird es lustig – einfach aufsteht und davonstürmt …«
Ärzte sind auch nur Kollegen im Kittel: Erleben Sie die Klinik als verrücktes Großraumbüro mit strengen Oberschwestern, attraktiven Chefärzten und vielen tollen Geburten!

Meine Meinung: 

Zunächst bin ich total begeistert von Schreibstil UND Humor der (unbekannte) Autorin: haufenweise intelligent-spontane, spritzige Sätze. 

Doch nach und nach überkommt mich das Gefühl: Fr. Dr. Josephine Chaos scheint genau der Typus Arzt zu sein, den ich am wenigsten leiden kann: überheblich, bewusst routiniert und zu guter Letzt offensichtlich frustriert. Im Buch wird ihr Gemütszustand auf die Schwangerschaft geschoben – aber ich wage zu bezweifeln, dass das einen Unterschied macht. Und genau dieser Gedanke hat dazu geführt, dass ich das Buch nicht mehr lustig finden WOLLTE. Paradoxerweise.

Die Sprache kippt zwischendurch sogar von „humorvoll“ zu „ordinär“. Einige Ausdrücke wiederholen sich ständig (z.B. „Ächt jetzt!“, „Ich schwöre!“ und „adäquat“…) - was mit der Zeit ziemlich nervt und die anfängliche Euphorie dämpft. 

Ich kann nur sagen: bei dieser Frauenärztin möchte ich nicht gerne landen. 

Natürlich sind die Klinikgeschichten bewusst überzogen dargestellt, geben aber sehr viel von Fr. Dr. Chaos Einstellung zu Kollegen und Patienten im Allgemeinen preis, wahrscheinlich auch von ihrer Einstellung im „echten Leben“. Auch wenn alles nur Fiktion ist: ein Funken Wahrheit wird wohl zu finden sein, sonst wäre dieses Buch vermutlich nicht entstanden.

Es gibt auch viele andere Menschen, die anstrengende und nervige Jobs haben – trotzdem muss nicht jede Berufsgruppe ein Buch schreiben, um sich mal so richtig auszukotzen. Das Buch zu lesen war für mich so, als würde ich einer Gruppe Ärzte beim Lästern zuhören. Und so was möchte man einfach nicht, als potentielle Patientin. 

Hätte das Buch wenigstens eine Art Plot, wäre es sicher lesenswert. Aber es besteht im Grunde nur aus kleinen, zusammengestückelten Sequenzen aus dem Klinikalltag. Streng genommen hätte ich keinen Grund gehabt weiterzulesen, denn auch das Ende war vorauszusehen.    

Fazit:  

Insgesamt war das Buch für mich eine große Enttäuschung.  Schade, dass manche ihr Schreibtalent nicht zu gebrauchen wissen: denn das war, trotz aller Kritik, zu erkennen. 


Kommentare:

  1. Oha, das ist ja mal eine Wendung. Am Anfang noch total begeistert und dann am Ende gar nicht mehr... Schade ums Schreibtalent, wie du auch gesagt hast :\
    Ist Frau Chaos denn wirklich so ducheinander, wie ihr Name anklingen lässt? Irgendwie klingt es ja nicht danach :D

    Liebe Grüße, MissDuncelbunt

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  2. Hm, ich würde sie Pseudo-Chaotisch nennen...arbeitsgeil trifft es eher! Aber dauergenervt dabei, da fasst alle Kollegen und Patienten doof sind...

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