Montag, 4. November 2013

Rezension / Lost places (Johannes Groschupf)

Eher zufällig bin ich über Lovelybooks an “Lost Places” von Johannes Groschupf geraten und konnte mir unter dem Titel zunächst gar nichts vorstellen.

Der Klappentext gibt aber schon das Wichtigste her: eine Handvoll Jugendlicher erforscht das vergessene und verlassene Berlin. Sie sind sogenannte „Urban Explorer“, die wie Katzen durch die Nacht schleichen. 

Da ich vorher noch nie etwas von Urban Explorern gelesen hatte (es scheint ein richtiges Hobby zu sein), musste ich mich natürlich um ein Rezensionsexemplar bewerben.  

Klappentext: 


Die Jugendlichen Chris, Moe, Kaya, Steven und Lennart sind Urban Explorers: Im nächtlichen Berlin erkunden sie stillgelegte Fabriken, leer stehende Häuser und verfallene Krankenhäuser. Doch was als aufregendes Abenteuer beginnt, wird bald ein riskantes Unterfangen. Denn die verlassenen Gebäude bergen nicht nur Charme, sondern auch Schrecken. Als die Freunde in einem halb verfallenen Haus eine Leiche entdecken, vermuten sie, dass die Motorradgang Bandidos dahintersteckt. Und dann wird es richtig gefährlich.Mehr anzeigen




Meine Meinung: 


Ich habe das Buch in 2 Tagen verschlungen, was für mich als selbsternannte „Langsamleserin“ schon sehr beachtlich ist.


Der Einstieg in das Buch fällt leicht: Groschupfs klare, knackige Sprache verleitet zum ständigen Weiterlesen. Auch wenn die ersten Seiten eher beschreibend sind, bzw. die richtige Handlung noch auf sich warten lässt, wird der Fokus schnell auf die sehr unterschiedlichen Charaktere unserer Clique gelenkt. Charaktere, die man unbedingt näher kennenlernen möchte. Was bewegt sie? Warum sind sie so drauf? Doch so unterschiedlich sie auch scheinen: es verbindet sie etwas. Nämlich die Sehnsucht nach Abenteuern und dem Ausbruch aus dem Alltag. 


Die Beziehungen der jungen Leute untereinander und zu ihren Familien werden schonungslos ehrlich beschrieben. Man merkt, dass der Autor sich eingehend mit den Wünschen und Abneigungen dieser Generation (die nicht seine eigene ist) beschäftigt hat. Das hat mir sehr gefallen…man wird selbst wieder jung, erinnert sich, beginnt zu verstehen. 



Zum Schreibstil im Allgemeinen: Extraklasse. Auf souveräne Art wird Spannung aufgebaut und aufrechterhalten. Obendrein fühlt man sich beim Lesen, als wäre man Live dabei - mit der Taschenlampe/ dem Zippo/ dem Handy in der Hand. Die Bilder, die manchmal im Kopf entstehen, sind wirklich schauderhaft…


Auch die Liebe und das Knistern zwischen zwei Urban Explorern kommt nicht zu kurz und sorgt für eine explosive Mischung. 


Sehr interessant war für mich auch das Hintergrundwissen über die (auf dubiose und erstaunliche Art) verlassenen Gebäude in Berlin. Fabriken, ein Kinderkrankenhaus, eine Frauenklinik, ein Sanatorium inkl. Inventar…diese Kulissen eignen sich wirklich wunderbar als gruselige Schauplätze in dieser Geschichte. Und erzählen sogar ihre eigene Geschichte…


Der Schluss war sehr rund und befriedigend, aber in meinen Augen leider nur mäßig überraschend. Nach den vorhergehenden Steilvorlagen habe ich wohl mehr vom Ende erwartet.


Fazit: 


Ich selbst wäre im wahren Leben viel zu feige dafür, mich als Urban Explorer auf den Weg zu machen. Und daher bin ich umso glücklicher, dass ich voll und ganz in die Welt unserer Urban Explorer in "Lost places" abtauchen konnte – und zwar mit Haut & Haaren.


Dieses Buch hat mich insgesamt überrascht, gefesselt, fasziniert!

Wer Lust darauf hat, Berlin von seiner stillen, verlassenen Seite kennenzulernen und sich dabei gehörig zu gruseln, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen