Donnerstag, 19. Dezember 2013

Rezension / Alle Farben der Welt (Giovanni Montanaro)

Über Lovelybooks bin ich an dieses kleine, aber feine Buch gekommen. Der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht - aber dass mich Teresas Geschichte so in ihren Bann ziehen würde, hätte ich nicht erwartet...









Klappentext:

1881, im flandrischen Geel: Seit dem Mittelalter leben in dieser »Stadt der Verrückten« die Geisteskranken mit den Gesunden zusammen. Die junge Teresa wächst hier als Waisenkind bei der Familie Vanheim auf. Eines Tages kommt ein Unbekannter in den Ort. Teresa verliebt sich in diesen in sich gekehrten rothaarigen Mann, in dessen Augen ein ungekanntes Feuer brennt, und sie ist es, die ihm seine Bestimmung zeigt: Er trägt »alle Farben der Welt« in sich. Obwohl ihre Wege sich trennen, beeinflusst die Begegnung Teresas weiteres Leben auf dramatische Weise. Zehn Jahre später schreibt sie einen leidenschaftlichen Brief an den »Lieben Monsieur van Gogh«, in dem sie ihr peinvolles Schicksal erzählt und schließlich zu sich selbst zurückfindet.

Meine Meinung: 

Ich habe das Buch gestern in einem Rutsch durchgelesen. Es hat mich sprachlos, schockiert und gleichzeitig begeistert zurückgelassen! Ein absolutes Jahreshighlight, das ich so kurz vor der Zielgeraden nicht mehr erwartet hätte.

Zunächst einmal ein paar Sätze zum Cover und zum Einband: schon als ich dieses Buch in der Hand hielt, wusste ich, dass es etwas Besonderes ist. Das in Stoff eingebundene, farbenfrohe Büchlein macht schon beim Anschauen und Anfühlen Spaß. Es hat zwar "nur" 176 S., ist seinen Preis in meinen Augen aber allemal wert.  

Schon nach den ersten Seiten ahnte ich, dass das Buch 5-Sterne-Potential hat. Der Schreibstil trifft 100 % meinen Geschmack. Montanaro schafft es, mit wenigen Ausschweifungen und Worten eine grandiose Atmosphäre zu schaffen - sei sie schön oder grässlich. Ich konnte nur noch blättern, blättern...und genießen. Solche Bücher erinnern mich daran, warum ich das Lesen liebe!

Das Buch ist in Briefform geschrieben. Es ist ein Brief der Protagonistin Teresa an ihre Bekanntschaft Vincent Van Gogh, welchen sie nur kurz, aber intensiv kennenlernen durfte. Er ist ein Mann, der ihr Leben verändert und aus den Fugen geraten lässt. Über Teresa erfährt man aufgrund dieser Erzählperspektive also sehr viel und begleitet sie in ihrer Entwicklung vom Mädchen zur Frau.

Der Ort, in dem sie lebt, ist sonderbar: einerseits geben sich die Bewohner gönnerhaft und erbarmungsvoll, indem sie "Verrückte" in ihrer Mitte aufnehmen. Andererseits spürt man, dass ihre Hilfsbereitsschaft und der Respekt seine Grenzen hat und sie Willkür walten lassen, was die ANDERSARTIGEN angeht. Montanaro zeichnet ein wunderbares Bild einer Dorfgemeinschaft Ende des 19 Jhd., das einen hin und wieder den Kopf schütteln lässt.

Ganz deutlich wird die Intoleranz im letzten Drittel des Buches, in welchem Teresas Leben eine drastische Wendung nimmt, weil Mitmenschen ihre Autorität missbrauchen und gewaltsam in ihr Denken und Fühlen eindringen. In Van Gogh findet sie einen Seelenverwandten, da auch er mit seiner Andersartigkeit zu kämpfen hat. Die Farben, um die es in diesem Buch geht, stehen meiner Meinung nach auch für die Facetten eines Menschen, die es zu erkennen, zu respektieren und anzunehmen gilt.

Ich bin begeistert von den vielen Wahrheiten und Weisheiten, die in diesem Buch stecken: Lesen und innerlich nicken. Ein Satz und 1.000 Assoziationen. An einem Zitat verweilen und darüber nachdenken...

"In ihren Briefen ergoss sich ein Strom, ungestüm und unaufhaltsam. Doch wenn sie redeten, waren sie wie ein ausgetrockneter Fluss" Das schreibt Teresa an Vincent. Mein erster Gedanke hierzu war, dass auch Giovanni Montanaro, der Autor selbst, so ein Mensch sein könnte. Ein Meister des geschriebenen Wortes eben. 

Fazit: 

Auch wenn ich es wahrscheinlich nicht geschafft habe, das volle Ausmaß meiner Begeisterung in dieser Rezension unterzubringen, hoffe ich doch, dass die Werbung ankommt! Ich bin der Meinung, dass diese 176 Seiten mehr zu bieten haben als so mancher 1.000-Seiten-Wälzer. Manchmal ist eben weniger mehr.
5 helle, goldene Sterne von mir! (Prämiere auf diesem Blog).

1 Kommentar:

  1. Hallöchen,
    schöner Blog und tolle Rezi! Da musste ich gleich mal Leserin bei dir werden! Wenn du möchtest kannst du ja mal bei mir vorbeischauen: http://garfieldsbuecherecke.blogspot.co.at/ würde mich freuen!
    LG Cornelia

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