Donnerstag, 15. Mai 2014

Rezension / Kämpfer des Himmels (Bob Fu)













Der Titel an sich hat schon etwas Provokantes und lässt darauf schließen, dass es sich um die Biographie eines religiösen Fanatikers handelt. Was in gewisser Weise auch stimmt - nur, dass Bob Fu sich nicht irdischer Waffen bedient, sondern auf die Kraft des Herrn baut, um die gute Botschaft des Evangeliums und ein Stück Menschenwürde und Religionsfreiheit nach China zu bringen.


Bob Fu wächst in den ärmlichen Verhältnissen der chinesischen Provinz heran. Da er das Elend in seiner Familie und in seinem Dorf insbesondere der Armut zuschiebt, tut er alles dafür, um an die Universität gehen zu können und durch einen angesehenen Beruf an Geld zu kommen. Im gleichen Zuge träumt er von Macht, um auf die politische Situation unter Mao positiv Einfluss nehmen zu können. Er geht zunächst recht naiv und erfolgreich an die Sache heran - bis zu den Studentenprotesten auf dem Platz des himmlischen Friedens, bei der zahlreiche Studenten durch die Hand der Kommunisten das Leben verlieren.

Als großer Anstifter der Proteste wird er, zurück an der Uni, gedemütigt und unter Beobachtung gestellt. In dieser Zeit denkt er über Selbstmord und Rache an seinen Verrätern nach.
Gerade in diese Situation hinein erfährt er Liebe Gottes und den Frieden, den er durch Jesus mit ihm haben kann. Sein neuer Glaube schenkt ihm Freude und Hoffnung - bringt aber auch vermehrt Gefahren mit sich.

In diesem Buch erzählt er, wie sich die Gemeinde Gottes in China rasant ausgebreitet hat, aber wie viel Leid und Folter sie ertragen musste und immernoch muss.


"Wir saßen schweigend da, und mein Kreuz pochte vor Schmerzen. Aber trotz der Schmerzen spürte ich eine solche Dankbarkeit gegenüber Gott, dass ich Lust hatte zu singen. Also gut. Ich räusperte mich und fing an, ein Lied aus meiner Zeit in der Untergrundkirche zu singen. "Hab Dank von Herzen, Herr", begann ich leise." (Bob Fu im Gefängnis)


Die Biographie von Bob Fu ist inhaltlich etwas ganz Besonderes:

1. Sie rüttelt die westliche Welt, die einen "Wohlstandsglauben" lebt, auf.

Wie oft beschäftigen sich die Christen hierzulanden mit verfolgten Christen in aller Welt? Was können wir tun? Bob Fu appeliert am Ende seinen Buches an seine Leser. Wir können für unsere leidenden Glaubensgeschwister einstehen - sei es nur im Kleinen. Meiner Meinung nach können wir uns vor allem ein Beispiel an ihnen nehmen (s. Punkt 2).

2. Sie zeigt uns, welche Wirkung die "einfache" Botschaft des Evangeliums haben kann und was wahrer Gottesdienst bedeutet.

Mir hat dieses Buch wieder gezeigt, dass die Botschaft des Evangeliums nicht in Watte gepackt werden muss, damit andere sie besser akzeptieren und verstehen. Während der Erweckungsbewegung in China kamen die Menschen durch klare Worte zum Glauben und entwickelten wie von selbst einen Hunger nach mehr. Sie trafen sich in kleinen und geheimen Gruppen zum Bibelstudium und zu Gottesdiensten, die sehr einfach gestaltet waren. Aber daraus zogen die jungen Christen alles, was ihnen als "geistliche Waffenrüstung"  für Zeiten der Folterung und Freiheitsberaubung dienen konnte. Da wurde nicht über verschiedene Musikstile, Gemeindestrukturen oder sonstige Nebensächlichkeiten diskutiert, sondern man machte sich Gedanken darüber, wie die jungen Christen zu "fester Nahrung" kommen können - was diesen wiederum dazu verhalf, sich als Leiter und Hirten einzusetzen. Obwohl es wenige Bibeln im Land gab und diese als gefährliche Literatur eingestuft wurde, kämpfte man dafür, dass das Wort Gottes unter die Menschen kam. Wenn ich das jetzt mit dem "Heute" in unseren Gefilden vergleiche, bin ich zutiefst traurig. Hier gibt es Bibeln in allen Formen und Farben zu erwerben, aber viele Menschen treten das Wort Gottes lieber mit Füßen und genießen ihren Wohlstand bzw. ihre "anderen" Zugänge zu Gott.

Bob Fu schreibt in einem sehr angenehmen Stil, malt dabei ein rundes Bild und erwähnt gleichzeitig viele interessante Details. Zum einen was sein Privatleben angeht, zum anderen was die Methoden der Staatsgewalt angeht. Er beschönigt nichts. In Bezug auf sein Privatleben erzählt er von den Schwierigkeiten im familiären Bereich und schildert seine Zerrissenheit. Er beschreibt z.B. den Zwiespalt, in dem er steckt, vor allem in Bezug auf sein Zeitmanagement. Besonders fasziniert hat mich seine Frau Heidi, eine intelligente und studierte Frau, die ihrem berufenen Mann mit aller Kraft den Rücken freihält. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich.
Seine Ausführungen zu den brutalen Methoden der chinesischen Staatsgewalt sind schlicht schockierend. Man kann kaum glauben, dass sich solche Szenen angeblich heute noch so abspielen.

Hin und wieder ist die Sprache etwas holprig, was entweder am Autor selbst liegt oder aber an der Übersetzung, was aber kaum störte. Eine Biographie muss nicht vorrangig einem sprachlichen Anspruch genügen.

Zum Ende hin flachte die Spannung leider ein wenig ab. Aber man erhält noch viele brauchbare Informationen über die von Bob Fu ins Leben gerufene Organisation "China Aid" (, von der ich leider noch nicht vorher gehört habe). Anhand vieler menschlicher Beispiele zeigt Fu auf, dass das Elend in Bezug auf Religionsfreiheit in China noch lange nicht besiegt ist - auch wenn es nach außen hin anders scheint.


Ein aufrüttelndes Buch! Es macht nicht nur auf das Leid der verfolgten Christen in China aufmerksam, sondern hinterfragt in gewisser Hinsicht auch uns "westlichen" Christen. Was ist uns wirklich wichtig?

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