Dienstag, 1. November 2016

Rezension / Du und ich und das Meer (Sandy Taylor)



Das interessante Cover und der Klappentext des Buches haben mich dazu bewogen, mich bei Lovelybooks um das Buch zu bewerben.


Mary und Dottie kennen sich schon seit ihrem 8. Lebensjahr und verbringen fast jede freie Minute miteinander. In der englischen Stadt Brighton der 60er Jahre wachsen sie zu unbeschwerten jungen Frauen heran und tun das, was die meisten Frauen in ihrem Alter eben gerne tun: shoppen, ausgehen, schwärmen.
Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Mary, die mutige Künstlerin, die die Welt bereisen möchte. Dottie, die Bodenständige, die sich nur ein Leben mit Mann und Kindern in ihrer Heimat vorstellen kann. Sie scheinen sich jedoch perfekt zu ergänzen - wie zwei Puzzlestücke.
Doch wie es nun mal so ist: auch die tiefste Freundschaft bleibt vor Stürmen nicht verschont. 


„Alles schien perfekt zu sein, so als ob ich es mir genau einprägen müsste, bevor es dahinschwand."
 

Es fiel mir von Anfang an leicht, in die Geschichte der beiden Freundinnen einzutauchen. Die Beschreibung Brightons in den 60ern war für mich wie eine kleine Zeitreise – zum einen in die genannte Epoche, zum anderen in meine eigene Kindheit und Jugendzeit. Es blitzten immer wieder Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit auf, in der man hauptsächlich darauf bedacht war, möglichst gut auszusehen und möglichst bald seinen Schwarm wiederzusehen. 

Die gesamte Geschichte zwischen Prolog und Epilog ist schlüssig und wirft keine inhaltlichen Fragen auf. Das Buch ist weder mit Inhalt überfrachtet, noch langweilig. Für mich gab es lediglich einen inhaltlichen Stolperstein, der fast einen Stern in meiner Bewertung gekostet hätte – doch habe ich meine Meinung geändert. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Szene authentisch und unverblümt aufzeigt, wie der Wind in den 60er blies, was die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau anging.  

An manchen Stellen muss der Leser mit „Längen“ klarkommen. Ich habe diese eher als Stilmittel empfunden, zum Spannungsaufbau, aber an keiner Stelle langweilig. Es ist, als müsste man als Leser die „Durststrecken“ der Protagonisten mittragen.

Die Sprache ist bilderreich, die Erzählerin beschreibt Situationen gerne in Bildern bzw. Vergleichen ("Mein Mund war trocken und fühlte sich an, wie es im inneren eines Kinderwagens aussah, voller Staubflusen und Kekskrümel." - "Mein Kopf war so leergefegt wie der Strand an einem Schultag"). Aber nicht nur das: an manchen Stellen fühlt man sich wirklich wie in die Szene gebeamt, mitten nach Brighton, mitten in die 60er Jahre. Mit Gerüchten, Farben, Geräuschen…

Die Charaktere wurden allesamt wunderbar ausgearbeitet und jeder Akteur trägt seinen Teil zu dieser teils urkomischen, aber auch sehr ernsthaften Geschichte bei. Die Wünsche und Träume der Protagonisten werden von der Autorin nicht gewertet,  sondern stehen unkommentiert im Raum und haben ihre Daseinsberechtigung.

Der Kontrast bzw. die Spannung zwischen den einerseits humorvollen, andererseits zu Tränen rührenden Szenen ist auffällig. Aber die Autorin hat diese Gratwanderung gut gemeistert und einen perfekten Mix geschaffen. Der Humor war nicht schwarz, die traurigen Passagen nicht kitschig.


„Du und ich und das Meer“ ist ein unaffektierter, nicht kitschiger Roman, der sich meiner Meinung nach von anderen Frauenromanen abhebt. Opferbereitschaft wird noch als Tugend gefeiert bzw. es wird deutlich, dass Hilfsbereitschaft und Selbstaufgabe nicht zwangsläufig gleichzeitig einhergehen müssen. Es wird die Freundschaft gefeiert – eine Freundschaft, die Barrieren überwindet.



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