Mittwoch, 14. Dezember 2016

Rezension / Dornröschen hatte es leichter (Vanessa Mansini)

Über eine Lovelybooks-Verlosung bin ich an diesen Roman gekommen, von dem ich zunächst dachte, er sei von einer Frau - nämlich Vanessa Mansini - geschrieben worden. In der Zwischenzeit habe ich erfahren, dass Vanessa ein Pseudonym für den Autor Michael Meisheit ist, der dieses Buch als Selfpublisher und im Rahmen eines besonderen Projektes an die Frau gebracht hat.

Dem Buch selbst sieht man es kaum an, dass ein kleiner Verleger dahintersteckt. Die äußere Qualität des Buches stimmt, sowohl vom Material  her, als auch vom professionell anmaßenden Cover.


Hermine genießt im Jahr 1996 das unbeschwerte Leben einer 17-jährigen, als sie nach einem schweren Unfall in ein Koma fällt – das 20 Jahre andauern soll. Wie durch ein Wunder wacht sie im Jahr 2016 wieder auf, ohne erkennbare Langzeitschäden. Ihre Eltern, die von der Tochter zunächst nicht erkannt werden, sind fassungslos. Doch so wunderbar ihr Erwachen ist: für Hermine bricht erst mal eine Welt zusammen als ihr klar wird, in welchem Maße sich die Welt weitergedreht hat. Dies gilt insbesondere für das Leben ihrer großen Liebe Jan. Doch sie packt auch ihr eigenes Leben an und begibt sich zu aller erst auf Männersuche – denn die Uhr tickt…
 

Eigentlich möchte ich mich nicht so lange an dieser Rezension aufhalten. Es handelt sich nicht um ein literarisches Meisterwerk, das viele Schätze birgt, nach denen man tauchen müsste. Das Buch lässt sich lesen, wie sich eine Seifenoper anschauen lässt. Entweder möchte man das – oder eben nicht.

Im Grunde ist der Plot recht simpel und stellenweise wahlweise zu schön oder zu grauenvoll, um wahr zu sein. Es hat einen Moment gedauert, bis mich Hermines Schicksal fesseln konnte, aber dann konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Zwar wirkten manche Szenen brutal heraufbeschworen (mir fällt jetzt spontan die Szene zwischen Steff und Hermine in der Apotheke ein), aber die Neugierde auf den Ausgang der Geschichte war dann doch stärker. Da auch der Schluss nicht vorhersehbar ist und der Plot mehrere Wendungen hätte nehmen können, war ich „besänftigt“.

Die Konstellation zwischen den Protagonisten ist interessant und voller Konfliktpotential. Es prallen viele verschiedene Charaktere aufeinander, denen man durchaus im Jahr 2016 begegnen könnte. Besonders Bene (als der typische Großstadt-Hipster) hat mir als Charakter sehr gut gefallen.

Man kann Hermines Wechselbad der Gefühle gut nachvollziehen und durchlebt auch als Leser die zwischenmenschlichen Auf und Abs. Stellenweise war mir der Sinneswandel aber ZU abrupt (ACHTUNG, SPOILER: z.B. der Übergang zwischen dem Aufenthalt in Frankreich bzw. dem Entschluss von Bene, eine Familie zu gründen und Jans Bedenken - die in Hermine sofort Zweifel sähen, obwohl sie sich doch eigentlich so sicher war – glaubt man als Leser jedenfalls. Natürlich zeigt sich SOFORT, dass Jan Recht hatte…das war mir dann doch zu viel des Guten.)  

Alles in einem hat es der Autor natürlich darauf angelegt, seine wohl überwiegend weibliche Leserschaft  zufrieden zu stellen. Auch wenn man stellenweise merkt, dass ein Mann am Werk war, ist ihm im Großen und Ganzen der Sprung in die weibliche Gefühls- und Gedankenwelt doch ganz gut gelungen. Das Buch enthält alles, was „Frau“ möchte: Humor, Gefühl und ein Happy End – was erwartet man von leichter Unterhaltung mehr?


Wenn man sich darüber im Klaren ist, dass man es sich bei diesem Buch um eine, ich nenne es mal  „literarische Seifenoper mit einer Prise Dramatik“ handelt und sich dafür entschieden hat, sich darauf einzulassen, wird man mit kurzweiliger Unterhaltung belohnt. Ich selbst habe mich jedenfalls amüsiert.